Interview mit Audrey Horne
E-Mail-Interview mit Torkjell “Toschie” Rød von Audrey Horne, 17. März 2010 “Beyoncés ‚Halo’ ist ein wirklich guter Song!“
Audrey Horne Dosenmusik: Hallo und gleich im Voraus Dankeschön, dass ihr euch die Zeit nehmt, ein paar Fragen zu eurem neuen Album und der Band an sich für dosenmusik.de zu beantworten. Vielleicht gebt ihr zu Beginn unseren Lesern einen kleinen Überblick, wer ihr seid und welche Mitglieder zu Audrey Horne gehören?
Toschie: Audrey Horne ist eine Hard-Rock-Band aus Bergen (Norwegen). Die Band besteht aus Toschie (Gesang), Ice Dale (Gitarre), Thomas Tofthagen (Gitarre) und Kjetil Greve (Schlagzeug). Darüber hinaus ist Espen Lien als Bassist auf unserem letzten Album zu hören und er spielt auch live mit uns. Mit Kim G haben wir noch einen Keyboard-Spieler, der uns live unterstützt.
Dosenmusik: Wenn ich mir die ganzen Side-Projects und Bands anschaue, in denen Mitglieder von Audrey Horne waren oder weiterhin sind (Enslaved, Gorgoroth, Sahg, I, Deride) frage ich mich, welchen Stellenwert Audrey Horne schlussendlich für euch einnimmt: Hat die Band absolute Priorität oder ist sie nur eine von vielen?
Toschie: Audrey Horne ist klar die wichtigste Band für uns. Hier sind wir mit unserem Herzen musikalisch zu Hause und wir haben so viel Zeit, Energie, Geld, Schweiß, Blut und Tränen in diese Band gesteckt in den letzten sieben Jahren – Audrey Horne ist unser Baby und wir würden dafür töten und sterben!!!!
Ice Dale spielt noch Gitarre bei Enslaved, aber bei Audrey Horne kann er seine Musik schreiben und den Weg gehen, der ihm am Herzen liegt. Wir sind mit dieser Art von Musik aufgewachsen und niemand von uns würde diese Band für etwas anderes verlassen. Solange es aber zeitlich möglich ist, in anderen Bands zusätzlich aktiv zu sein, werden wir es sein. Wenn wir uns aber ultimativ entscheiden müssten... Audrey Horne wäre die Band, in der wir bleiben würden.
Dosenmusik: Ich muss ja zugeben, dass ich nicht so sehr auf „Le Fol“ (2007) stand – es hat bei mir einfach nicht gezündet. Mit eurem selbstbetitelten Album, das jetzt im Februar erschienen ist, ist es eine ganz andere Sache: Die Songs wachsen von Tag zu Tag und Toschies Gesang hat mich richtig gepackt. Eure Musik ist gleichzeitig modern, zeitlos wie auch klassisch und ihr seid bei mir weiterhin auf „heavy rotation“, obwohl ihr ja eigentlich nichts wirklich anderes macht als schon zuvor. Welche Veränderungen seit dem „Audrey Horne“-Vorgänger aus dem Jahr 2007 haltet ihr für die wichtigsten?
Toschie: Nun, freut mich zu hören, dass die Scheibe für dich wächst. Ich denke, das ist das Zeichen für ein gutes Album. Ich bin damit selbst sehr zufrieden und ich denke, es ist mit Abstand das stärkste unserer Karriere bislang.
Die größten Veränderungen sind wahrscheinlich: A) Die Art, wie wir die Songs schrieben... wir arbeiteten dieses Mal mehr als eine Band zusammen; wir mieteten uns ein Haus auf dem Land in Meernähe. Wir haben uns als Band hingesetzt und um die 30-40 Songs geschrieben. Wir gaben uns keine Grenzen vor, wohin wir stilistisch gehen wollten. B) Wir nahmen als Band auf; jeder war die ganze Zeit über im Studio. Nichts von all dem „Ich bin mit meinen Teil fertig, ich gehe jetzt“-Scheiß. Nur weil es nicht um dein Instrument geht, heißt es noch lange nicht, dass du darauf keinen großen Einfluss ausüben kannst. Und C) Wir arbeiteten mit einem Produzenten. Joe (Barresi; Anm. durch den Verfasser) kam mit so vielen Ideen an, wie wir die Songs angehen sollten. Sowohl soundtechnisch als auch in Sachen Arrangements.
Dosenmusik: Euer Bandname und auch der Albumtitel „No Hay Banda“ haben ihren Ursprung in einem David-Lynch-Film bzw. einer Lynch-Serie. Gibt es auf eurem neuen Album weitere Lynch-Anspielungen?
Toschie: Nein. Dieses Album ist absolut Lynch-frei. Sowohl der Bandname als auch der von dir angesprochene Albumtitel entstanden mehr oder weniger aus einer Situation heraus. Es gibt keine alles-überstrahlende Lynch-Faszination.
Dosenmusik: Beim Hören eurer Musik kommen mir so viele Querverweise in den Sinn, obwohl euer Sound jederzeit einzigartig bleibt. Da scheinen wahre Klassiker wie Iron Maiden, Deep Purple oder Rainbow durch, aber auch modernere Gruppen wie Faith No More oder Tool scheinen ihren Eindruck hinterlassen zu haben. Welche Bands würdet ihr als Inspirationsquelle für eure Musik nennen?
Toschie: Also, alle Gruppen, die du genannt hast, sind ein großer Einfluss für uns, aber auch Bands und Künstler wie Tom Waits, David Bowie, Soundgarden, Alice In Chains, KISS, Mötley Crüe und neueres Zeug wie Queens Of The Stone Age, Foo Fighters, Mastodon, Alexisonfire, Every Time I Die... und natürlich die Norweger von TNT!
Joe Barresi ist übrigens auch ein großer Fan von TNT und so haben wir als Ritual jeden Studio-Tag mit einem anderen TNT-Song begonnen und auch beendet.
Dosenmusik: „Audrey Horne“ rockt, macht mir dabei aber auch den Eindruck sowohl total relaxt zu sein als auch entspannend zu wirken... mir fallen nicht viele Alben ein, die eine solche Wirkung auf mich haben. Obwohl euer Album kein Mainstream ist, so sollte es selbst Leute, die normalerweise nicht auf Classic Rock oder Metal stehen, nicht weiter stören. Ich finde das wirklich erstaunlich.
Toschie: Na, danke dafür! Genau meine Rede – und damit sollte es auch ein breites Publikum für uns da draußen geben. Bringt Audrey Horne zu den Leuten!!
Dosenmusik: Ihr habt Joe Barresi als Produzenten für euer neues Album gewählt. Er war schon einmal für euer Debüt „No Hay Banda“ mit an Bord. Was sind die Gründe für diese Wahl?
Toschie: Nun, er ist schon seit jeher ein Fan unserer Musik und wir hatten schon seit Jahren mit ihm darüber gesprochen, dass wir mal ein Album von Grund auf gemeinsam machen müssten. Es hatte aber bislang zeitlich einfach nicht gepasst.
Joe geht genau so an Musik heran wie wir es tun, er hat so ziemlich genau den gleichen musikalischen Geschmack wie wir und er ist ein verdammt guter Produzent – als wir jetzt die Chance hatten, haben wir zugegriffen.
Er war der perfekte Mann für den Job und hat uns in vielerlei Hinsicht zu einer besseren Band gemacht. Er trifft die richtigen Entscheidungen, wenn es für eine Band zu schwer wird, weil sie zu sehr in ihren Songs steckt. Ein Außenstehender sieht da manchmal die Dinge viel klarer. Wir sehen Joe als fünftes Mitglied unserer Band.
Dosenmusik: Die „Special Edition“ von „Audrey Horne“ kommt mit einer zusätzlichen, ziemlich interessanten CD voller akustischer Stücke daher. Neben einem Kiss-Cover („Nowhere To Run“) und einer neuen Version von „Carrie“ (zuvor auf „Le Fol“) gibt es drei bislang unveröffentlichte Songs. Stammen diese aus den Sessions zu „Audrey Horne“? Falls ja: Habt ihr noch weitere fertige Stücke in petto? Und wer zur Hölle kam auf die Idee zum (wohlgemerkt wirklich netten) Beyoncé-Cover („Halo“)? Als ich das das erste Mal gecheckt habe, dachte ich mir, das können sie doch nicht ernst meinen!?
Toschie: Danke. Die ganze Aufnahme war rein zum Spaß. Ja, die Songs sind allesamt Überbleibsel aus unseren Sessions für das neue Album und es gibt noch weitere. Wir haben auch noch mehr Cover-Versionen aufgenommen („Van Diemen’s Land“ von U2 und „Paint It Black“ von den Rolling Stones). Zu dem Beyoncé-Cover kam es, nachdem ich und Herbrand (Larsen; Anm. des Verfassers), der die Keyboards für das Album einspielte, mit der Frau, die mit mir auf „Rearviewmirror“ singt, sprachen und wir uns darauf einigten, dass „Halo“ ein wirklich guter Song ist. Als sie gegangen war, begannen Herb und ich damit, zu überlegen, wie wir das Stück aufnehmen könnten. Wir kamen schlussendlich darauf, es in einen traurigen, fast Beerdigungs-mäßigen Song umzuwandeln. Das ist uns gut gelungen, finde ich.
Dosenmusik: Seit dem Ausstieg von Tom Cato Visnes im Jahr 2007 gibt es bei Audrey Horne keinen festen Bass-Spieler. Espen Lien, der auf eurer Website lediglich als Gastmusiker geführt wird, ist jetzt seit 2009 mit euch im Studio aktiv und tritt auch live mit auf. Gibt es irgendwelche Pläne, einen festen Bassisten zu finden oder kann Espen Lien als euer neuer Mann gesehen werden?
Toschie: Das wird die Zeit zeigen. Wenn Espen fest bei uns einsteigen will, dann wird er es wohl auch. Aber es ist wie in einer Beziehung... man heiratet nicht beim ersten Date. Wir müssen erst noch „Sex“ mit ihm haben... hehe. Er ist aber BEI WEITEM der beste Bassist, mit dem wir bislang gearbeitet haben – es sieht also gut aus. Und er ist auch noch ein verdammt lustiger Typ!!! Auf der Bühne ist er ein richtiges Tier und könnte damit locker mir, Ice Dale oder Thomas die Show stehlen. Wir müssen also in seiner Anwesenheit immer unser Bestes geben.
Dosenmusik: Ihr seid immer noch auf dem vergleichsweise kleinen Norwegischen Label „Indie Recordings“. Können sie denn alles tun, was nötig ist, um euer „Potential, die größte Rockband der Welt zu werden“, wie Arve Isdal in einem Interview zitiert wird, auszuspielen? Gibt es Pläne, zu einem Major Label zu wechseln?
Toschie: Sie sind ein ziemlich kleines Label und das mag alles ein wenig bremsen, aber sie sind mit soviel Herzblut dabei... damit sind sie für uns in vielerlei Hinsicht besser als ein Major Label. Aber wenn wir Ice Dales Plan wirklich weiterverfolgen dürfen, dann werden wir vielleicht zu einem größeren Label übersiedeln. Wir sind aber glücklich, wo wir jetzt sind und „Indie“ geben uns all die künstlerische Freiheit, die wir brauchen. Sie glauben an uns und das ist die Grundlage für das tolle Verhältnis, das wir miteinander haben. Es gibt also keine Pläne, sie zu verlassen. Dinge mögen sich ändern und wenn es soweit sein sollte... dann werden wir den Schritt gehen, denke ich.
Dosenmusik: Kommt ihr diesen Sommer für ein paar Konzerte nach Deutschland? Vielleicht zu ein paar der Open-Air-Festivals? Ich würde euch sehr gerne bald live sehen!
Toschie: Wir werden am 10. April eine Show in Berlin spielen und hoffentlich kommen noch weitere Konzerte dazu. Gerade im Moment werden wir für Festivals gebucht, also bleib dran und wir werden euch informieren, wann und wo!!!!!
Dosenmusik: Danke nochmals für eure Zeit. Ich wünsche euch alles Gute für eure Zukunft!
Toschie: Das wünsche ich dir auch, mein Freund. Toschie.

Torkjell “Toschie” Rød: Gesang
Arve “Ice Dale” Isdal: Gitarre
Thomas Tofthagen: Gitarre
Kjetil Greve: Schlagzeug

www.audreyhornemusic.com

Autor: der mann aus wü | 30. März 2010
Dosenmusik : der neue Shop
dosenmusik at Facebook Follow dosenmusik on Twitter RSS Feed
cd-empfehlungen
Asking Alexandria - From Death to Destiny I Is Another - I Is Another
Five Finger Death Punch - The Wrong Side Of Heaven and The Righteous Side Of Hell Alice in Chains - The Devil Put Dinosaurs Here
Heaven Shall Burn - Veto Le Fly - Grüß Dich Doch Erstmal!