Interview mit Angel City Outcasts
E-Mail Interview mit Tak von den Angel City Outcasts vom 10.07.2006 Songs müssen nicht zwangsläufig ein halsbrecherisches Tempo haben
Angel City Outcasts Kalifornien. Da denkt man bei einem Assoziationsspiel wohl zuerst an Sonne, Sommer, Bikinis und, musikalisch gesehen, an NOFX-Klone, wenn man sich auch nur ein kleines Bisschen mit Westküstenpunk befasst hat.
Anders die aus Los Angeles stammenden Angel City Outcasts: Die fünf Herren spielen eine arschtretende Mischung aus Streetpunk, Glam- und Poserrock, die Fans der Dropkick Murphys und Guns N Roses gleichermaßen zu begeistern weiß. Nach dem leckeren Debütalbum, das im letzten Jahr erschien, legen die Herren nun mit "Deadrose Junction" einen nach, wobei sich auch ihr Sound verändert hat. Grund genug für uns, dem Leadgitarristen Tak per Email im Juli 2006 einige Fragen zu schicken.

Dosenmusik: Zuallererst mal: wie geht's Dir und bist Du zufrieden mit der derzeitigen US-Tour?
Tak: Uns geht's allen großartig, danke der Nachfrage. Die Tour läuft soweit gut und dieses Mal schauen wir in einigen Städten vorbei, die wir auf vorherigen Touren noch nicht besucht haben und haben ne Menge Spaß dabei. Außerdem ist es toll, in einige Städte zurück zu kommen und zu merken, dass sich das Publikum, vor dem Du spielst, vergrößert hat.
Dosenmusik: Die Angel City Outcasts sind eine noch ziemlich junge Band, aber Ihr habt schon in Eueren alten Bands wie Youth Rebellion und Broke Til Thursday Erfahrungen gesammelt. Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, gemeinsam die ACO zu gründen?
Tak: Youth Rebellion haben sich aufgelöst und auch Broke Til Thursday waren damals in einem kreativen Loch, also haben wir das zu einer neuen Band zusammengeführt.
Dosenmusik: Sind die Angel City Outcasts der nächste logische Schritt in Deiner persönlichen Entwicklung, wenn man das betrachtet, was Du davor musikalisch gemacht hast?
Tak: Sicher, wir sind alle aus dem auf drei Akkorde beschränkten Streetpunk-Kram herausgewachsen, der im Stile von Youth Rebellion und Broke Til Thursday war. Wir wollten der Sache ein wenig mehr Pepp und Würze geben, so dass es auch für uns zu einer größeren Herausforderung wird. Die ACO sollten demnach sehr viel technisch versierter und abwechslungsreicher zu Werke gehen. Logisch gesehen machte dies also Sinn.
Dosenmusik: Ihr kommt aus Los Angeles, aber Ihr klingt nicht wie eine typische kalifornische Punkrockband, deren Sound durch NOFX inspiriert wurde. Wird Euere Musik dort unten gut angenommen oder habt Ihr in anderen Städten wie New York oder Boston mehr Erfolg?
Tak: Ich würde sagen, dass sich die Dinge in Südkalifornien und der Gegend rund um L.A. während der letzten 8 bis 10 Jahre sehr verändert haben. Wir haben eine stetig wachsende Fangemeinde in unserer Heimatstadt und auch im gesamten Bundesstaat. Auch die Rock n Roll-Szene selbst wird größer, Bands wie Turbonegro, die Hellacopters und die Supersuckers spielen riesige, erfolgreiche Shows hier unten in L.A. . New York, Boston und andere Städte scheinen in eine ähnliche Richtung zu gehen.
Dosenmusik: Ihr habt gerade Euer zweites Album "Deadrose Junction" veröffentlicht. Wieso ist es das Beste, was Ihr je gemacht habt und weshalb sollten die Leute es kaufen?
Tak: Ich denke, dass beide Alben, die wir herausgebracht haben, ihr Geld wert sind, weil wir immer 100 Prozent geben, sei es musikalisch oder auch von unseren finanziellen Möglichkeiten her, um den Leuten, die unsere Aufnahmen kaufen das bestmögliche für ihre Kohle zu bieten. Da bildet Deadrose Junction keine Ausnahme. Dennoch denke ich, dass wir, musikalisch gesehen, mit diesem Album um einiges gewachsen sind. Ich denke es gibt in dem Album für jeden etwas, egal ob man Punk, Skinhead, Greaser, Metal-Head oder was auch immer ist. Auf lyrischer Ebene ist auch mehr Substanz vorhanden als beim Vorgänger "Let It Ride".
Dosenmusik: Es hört sich schon ziemlich anders als Euer erstes Album, "Let It Ride", an. So, als ob Ihr die Punk – und Rockabillyeinflüsse ein wenig getrimmt und das Tempo ein wenig gedrosselt hättet. Im Gegenzug habt Ihr Euere Liebe für Guns n Roses und Glamrock unter Beweis gestellt und die Songs ein wenig länger gemacht. Weil Bands nun auch eine zeitlang brauchen, um eine klarere Vorstellung von dem zu kriegen, was sie machen wollen: Ist das der Sound, mit dem Ihr glücklich seid?
Tak: Uns ist klar geworden, dass Songs nicht zwangsläufig ein halsbrecherisches Tempo haben müssen, um zu rocken. Ich denke, die Lieder wirken länger, weil sie ein wenig langsamer gespielt sind als auf "Let it Ride". Wir haben uns für dieses Album von Platten inspiriere lassen, auf die wir stehen. Beispielsweise "Appetite for Destruction" oder auch "Back In Black". Die Punk- und Rockabilly/Country-Einflüsse sind aber definitiv noch drinnen in unserem neuen Zeugs, sie sind einfach nur ein wenig subtiler eingestreut, wie in "Rev It Up, Turn It Loose" oder "Where Do I Belong". Aber ja, ich stimme Dir zu, dass "Deadrose Junction" sehr viel weniger Dropkick Murphys oder Rancid, dafür aber sehr viel mehr Guns N Roses und Rose Tattoo ist. Damit sind wir auf jeden Fall sehr zufrieden.
Dosenmusik: Kannst Du mal einige Worte zu dem Coverartwork der neuen Platte verlieren? Ich finde, es sieht genial aus, aber ich würde gerne ein bisschen was zur Bedeutung dahinter erfahren.
Tak: Das Cover wurde von unserem Basser, Alex Z, und mir entworfen. Für mich fasst es das Album visuell zusammen. Es beinhaltet Symbole des Guten und des Bösen, der Erlösung, Outlaws, Engel und Teufel und gebrochene Herzen. Fast all diese Themen werden auch in den Songs angesprochen. Dieses Werk wurde im Geiste der Clint Eastwood-Filme und der Outlaws in Western gezeichnet und wir stehen auf so was.
Dosenmusik: Seid Ihr glücklich damit, auf Sailor's Grave-records zu sein?
Tak: Klar. Die haben sich immer an ihre Versprechen gehalten und der Firmenkader beinhaltet ein paar der talentiertesten Bands der Szene, wie die Ducky Boys und Born To Lose.
Dosenmusik: In Bezug auf Musik, was sind Euere Haupteinflüsse? Ich rate mal, dass Ihr neben Streetpunk- und Rock N Roll-Bands auch was für Axl Rose übrig habt.
Tak: Ah, der gute alte Axl, eine Bedrohung für Modedesigner auf der ganzen Welt. Sicher, eine Menge Guns N Roses und damit verbundene Projekte, AC/DC, vieles von Johnny Cash und Countrymusik in diesem Stil, Thin Lizzy, Lynyrd Skynyrd, The Bones, Rose Tattoo, etc. Eine unglaublich lange Liste.
Dosenmusik: Was denkst Du persönlich über das Internet und seine Chancen/Risiken für relativ unbekannte Punkrockbands und aufstrebende Gruppen? Euere Band hat ja auch einen Myspace-Account, was haltet Ihr davon?
Tak: Myspace und das Internet generell sind erstaunliche Hilfsmittel für junge Bands, um bekannt zu werden. Vor zirka 20 Jahren musstest Du selber in eine Stadt fahren, damit die Menschen von Deiner Band was erfahren konnten. Heute kannst Du daheim sitzen, während sich Leute aus Japan Deine Musik ziehen. Dennoch denke ich, dass das übertriebene Blogging ziemlich gefährlich werden kann. Manchmal wird es den Leuten durch das Internet auch erleichtert, Gerüchte zu verbreiten und Deinen Namen durch den Dreck zu ziehen.
Dosenmusik: Was ist mit dem Klischee des Rock N Roll-Lifestyle? Tendiert Ihr dazu ordentlich Parties zu feiern und viel zu saufen, während Ihr tourt und wie gefällt es Euch, andere Länder zu besuchen?
Tak: Wir haben nie vor was zurückgeschreckt, ordentlich zu feiern und Spaß zu haben, wir sind aber gleichzeitig sehr vernünftige Jungs. Wir haben am Beispiel von anderen Bands und deren Fehlern, was harte Drogen betrifft, gelernt. Das ganze Junkie/Crackhead-Zeugs ist also nichts für uns. Es gibt auch ohne das schon genug Scheiße, mit der wir in unserem Alltag zurecht kommen müssen. Trotzdem sind wir Leute, mit denen man Spaß haben kann und wir haben sicher auch einige verrückte Dinge gemacht. Das einzige Land außerhalb der USA in dem wir je gespielt haben, ist Mexiko, dort wurden wir verhaftet, hahaha.
Dosenmusik: Welche Bands würde Deine persönliche "Ein Traum wird wahr"-Tour beinhalten?
Tak: Hehe, schau Dir meine Antwort auf Frage 9 an.
Dosenmusik: Nun, danke für Deine Geduld und dafür, dass Du Dir Zeit genommen hast, die Fragen zu beantworten. Ich hoffe, dass ich mir mal eine Show von Euch ansehen kann, wenn Ihr in der Zukunft irgendwann mal Deutschland besucht.


Alex Brugge - Gesang
Alex Zabolotsky - Bass
Tak Boroyan - Gitarre, Gesang
Bob Zamudio - Gitarre
Ryan "Scotchy" Markley - Schlagzeug

www.angelcityoutcasts.com

autor: Born Toulouse | 10.07.2006
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