Interview mit 65 Days Of Static
E-Mail Interview mit Gitarrist Paul Wolinski am 05.02.2006 Jeder Song den wir schreiben ist eine neue Chance
65 Days Of Static Dosenmusik: hallo paul! zunächst mal danke, dass du dir zeit nimmst für dieses interview. kannst du zu beginn erst einmal beschreiben, mit wem wir es hier zu tun haben? wer spielt in 65 days of static und welche musik macht ihr?
Paul: das aktuelle line-up ist zur zeit:
joe fro: guitars.
rob jonez: drums
paul wolinski: programming, guitars
simon wright: bass
wir klingen nach lärm, krach, kaputten gitarren, überhitzten laptops und alles auf einmal!
Dosenmusik: kannst du uns einen kurzen überblick über eure bandgeschichte in den letzten jahren geben?
Paul: im oktober 2004 haben wir "the fall of math" veröffentlicht und waren seitdem eigentlich ausnahmslos in england auf tour. in den kurzen pausen zwischen den vielen gigs, haben wir unser 2. album "one time for all time" geschrieben und aufgenommen, welches dann ende 2005 in england in die plattenläden kam. beide alben wurden über monotreme records rausgebracht. 2006 stehen wieder sehr viele konzerte an, um das neue album zu promoten. dieses jahr kommen wir auch endlich mal auf das europäische festland und können so allen genau zeigen, um was es bei 65 days of static überhaupt geht - live shows!
Dosenmusik: ich hab mir vor diesem interview eure alben angehört und ich muss zugeben, dass ich so etwas bisher nicht allzu oft gehört habe. ihr klingt wirklich einzigartig verglichen mit bands aus der heutigen musikszene. vielleicht kann man eure musik vergleichen mit alten (und meiner meinung nach besseren) dredg songs, mit logh, dazu etwas sonic youth und elektronische beats und samples obendrauf. wie würdest du euren sound beschreiben, auch verglichen mit anderen bands?
Paul: die alten dredg sachen kenn ich nicht und logh hab ich auch noch nicht gehört. ein paar jungs in der bands sind fans von sonic youth und das hat sicherlich etwas einfluss auf unseren sound in welcher form auch immer. ansonsten vergleichen wir uns nicht mit anderen bands. ich denke dass eine band dann gut ist, wenn man sich noch nicht mal im entferntesten vorstellen kann, ihre songs zu covern. zum beispiel orbital oder godspeed you black emperor - das geht einfach nicht. bei den songs von diesen bands geht es nur um den eigenen sound. vielleicht kann man uns damit vergleichen!?
Dosenmusik: wie seid ihr zu eurem bandnamen 65 days of static gekommen?
Paul: nach 3 wochen recherche in der sheffield city bücherei. da gab es wirklich eine menge zeug, was wir in dieser zeit herausgefunden haben und was letztlich zu dem fundament dieser band wurde. der name ist ein geheimnis zwischen uns vier. es gibt viele gerüchte darüber, aber bisher ist noch niemand dahinter gekommen.
Dosenmusik: in der link sektion eurer webseite habt ihr unter anderem links zur homepage von circle takes the square, eine meiner lieblingsbands, und zur webseite von christina aguilera, die ehrlich gesagt nicht so ganz mein fall ist. gibt es einen besonderen grund, dass ihr bands in eurer linkliste habt, die musikalisch rein garnichts mimteinander zu tun haben?
Paul: circle takes the square ist eine der wenigen bands, die wir alle gern hören und christina aguilera gehört auch dazu, auch wenn ihr letztes album nicht ansatzweise so gut ist, wie die sachen, die sie davor gemacht hat. wir haben uns bands ausgesucht, die uns bezüglich ihrer einstellung gegenüber musik ähnlich sind und nicht weil sie musik machen, die zu unserem sound passt. circle takes the square haben eine gute do-it-yourself attitüde und wir sind stolz darauf, diese einstellung mit ihnen zu teilen. christina aguilera kriegt es von zeit zu zeit gut hin, sehr gute 3-minuten popsongs zu schreiben. das ist etwas, dass wir auch ständig versuchen, wenn auch die musik natürlich komplett anders ist.
Dosenmusik: haben die mitglieder von 65 days of static gemeinsame lieblingsbands?
Paul: circle takes the square, johnny cash, godspeed you black emperor, from monument to masses, at the drive-in, ...trail of dead, tom waits und saul williams.
Dosenmusik: mit welchen bands und musikern würdet ihr gerne mal gemeinsam auftreten?
Paul: auf jeden fall mit den eben genannten. besonders mit tom waits und saul williams. am besten wäre es, wenn sie mit uns zusammen auf der bühne spielen würden.
Dosenmusik: ihr habt für die nächsten monate viele shows in england, holland, belgien und norwegen geplant. wann wird man euch mal in deutschland live erleben können?
Paul: hoffentlich im april oder mai. es ist noch alles in planung und bisher ist leider noch nichts in trockenen tüchern, aber es ist definitiv eine unserer prioritäten, endlich in ganz europa zu spielen. von allen möglichen ländern ist deutschland dasjenige, aus welchem wir das beste feedback erhalten. wir werden kommen. versprochen!
Dosenmusik: schreibt ihr immer an neuen songs, wenn ihr auf tour seid oder trennt ihr touren und songwriting?
Paul: wir schreiben auch wenn wir auf tour sind, aber meistens sind wir zwischen den auftritten damit beschäftigt, unser equipment herumzuschleppen oder es zu reparieren. wir sind keine band, die einfach mal akustische gitarren auspackt und dann im tourbus anfängt, an neuen songs zu basteln. dafür sind wir zu sehr auf die elektronik angewiesen. wir versuchen es trotzdem immer wieder. vielleicht werden wir uns irgendwann einen funktionierenden laptop leisten können. dann könnten wir auch auf tour an neuen songs arbeiten.
Dosenmusik: was ist euer ansatz, wenn ihr songs schreibt? was sind eure kompositionstechniken und wie entwickelt ihr neue songs?
Paul: das wissen wir immer noch nicht. wir verschwenden leider so viel zeit, allein darüber zu reden. songs zu schreiben fällt uns wirklich nicht leicht. wir reden, spielen, argumentieren, streiten, programmieren, arbeiten an mehreren songs gleichzeitig bis alles fertig ist. wenn wir alles hinter uns haben, können wir nicht mal mehr erklären, wie wir das hingekriegt haben. es ist am ende immer eine erleichterung.
Dosenmusik: weshalb habt ihr euch dazu entschlossen, keine lyrics in eurer musik zu gebrauchen?
Paul: das war und ist keine grundsatzentscheidung. das ist einfach so passiert, aber es gibt immer noch die möglichkeit, das auch mal anders zu machen. wenn einer von uns so eine stimme hätte wie tom waits oder saul williams, hätten wir sicher schon längst mal musik mit lyrics gemacht. leider ist das nicht der fall! außerdem ist es auch sehr schwer, die worte für das zu finden, was wir zu sagen haben. unsere musik handelt von all den dingen, für die es keine worte gibt.
Dosenmusik: ich musste mir einige eurer songs mehrmals anhören, um einen weg zu eurer musik zu finden. nach einigen durchläufen muss ich zugeben, dass eure musik funktioniert, aber gibt es denn letztlich keine themen für euch, die ihr euren hörern durch den einsatz von lyrics näher bringen wollt?
Paul: wir haben wörter in unseren artworks und auf unserer homepage. wenn die menschen wissen möchten, was in unseren köpfen vorgeht, dann kann man das sehr schnell rausfinden. wir haben da nichts zu verbergen. bis jetzt bin ich der meinung, dass keiner unserer songs besser geworden wäre durch das verwenden von lyrics. es gab eben bisher kein platz für wörter in unserer musik.
Dosenmusik: lass uns mal über euer aktuelles album "one time for all time" reden. auf eurer webseite steht, dass es in england bereits im oktober 2005 veröffentlicht wurde. in deutschland kann man es ab dem 10. februar kaufen. nachdem ihr nun schon ein paar monate zeit hattet, das fertige album auf euch wirken zu lassen, seid ihr immer noch zufrieden mit eurer arbeit?
Paul: ja, das sind wir! die zeit nach "the fall of math" war sehr seltsam. wir hatten unendlich viel zeit, unser erstes album zu schreiben, weil uns ja noch niemand kannte. "one time for all time" wurde in so kurzer zeit geschrieben, da wir nach den guten reviews zum vorgänger zum ersten mal so etwas wir druck gespürt haben, auch von uns selbst. wir mussten uns und allen anderen beweisen, dass wir nicht nur einen zufallstreffer gelandet haben. "one time..." ist seltsam und fremdartig und keiner von uns versteht es wirklich, aber wir sind alle zufrieden damit und sehen es mittlerweile als notwendigen nachfolger zu unserem debüt an.
Dosenmusik: hattet ihr ein bestimmtes konzept für die arbeiten an den neuen songs?
Paul: in dieser zeit ständig auf tour zu sein, hatte sicherlich einen großen einfluss. wir lernen und wachsen die ganze zeit. wir sind vier individuen und wir alle haben unterschiedliche dinge in unseren köpfen. all das ist auf unseren alben, in unseren songs, in unserer musik und in den texten, die wir mit unseren alben veröffentlichen.
Dosenmusik: und meine letzte frage - was ist das beste und was ist das schlechteste daran, in einer band zu sein?
Paul: das schlechteste daran ist, dass man den kontakt zu seinen freunden nicht aufrechterhalten kann. aber das ist unser fehler. wir müssten ja schließlich nicht in einer band sein. hm..eigentlich ist das falsch. wir haben keine wahl. wir sind 65 days of static, ob wir das nun gut oder schlecht finden. das ist das beste daran. we're in a fucking band!
Dosenmusik: also, vielen dank nochmal, dass du dir zeit für dieses interview genommen hast. hast du noch ein paar letzte worte?
Paul: see you on the road, friends!


joe fro - guitars
rob jonez: drums
paul wolinski: programming, guitars
simon wright: bass

www.65daysofstatic.com

autor: Coney | 05.02.2006
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