Interview mit 36 Crazyfists
Telefon-Interview mit Brock 20.04.2006 Eine Minute Zeit zu nehmen, um zu reflektieren
36 crazyfists Dosenmusik: Bring uns doch mal auf den "neuesten" Stand der Dinge im Lager von 36 Crazyfists. Was genau habt ihr seit dem Release eueres letzten Albums "A snow capped romance" gemacht und wie schätzt ihr den Erfolg der Platte ein? Hat sie euere Erwartungen erfüllt?
Brock: Mehr als erfüllt. Wir sind hochzufrieden mit "A snow capped romance", sowohl vom Sound, als auch von den Songs selbst. Einige unserer bisher besten Songs sind auf diesem Album. Auch was die Verkäufen angeht können wir uns nicht beklagen. Direkt nach dem Release der CD sind wir ausgiebig auf Tour gewesen, danach hatten wir ne kleine Verschnaufpause, sind dann nochmals auf Tour gegangen, um schlussendlich die Platte im Rahmen einer kleinen Aktion auch nochmals in England zu bewerben. Wir wurden für die CD für einen "Revolver" Award (das US Pendant zum Britischen "Kerrang") nominiert und sind darauf mächtig stolz. Also um deine Frage zu beantworten, ja, wir sind SEHR zufrieden mit dem Erfolg der Platte und wir hoffen mit dem neuen Album darauf aufbauen zu können.
Dosenmusik: Allein vom Sound her war "A snow capped romance" ein großer Schritt nach vorn für die Band. Wir sprachen kurz vor Veröffentlichung des Albums damals bereits miteinander und du sagtest mir, dass deure erste CD "Bitterness the star" aus deiner damaligen Sicht vom Sound her überhaupt nicht mehr gefallen würde, sie wäre einfach nicht das Optimum gewesen diesbezüglich, zu schroff produziert und nicht den Erwartungen der Band entsprechend abgemischt. Was können wir in dieser Hinsicht von der neuen CD "Rest inside the flames" erwarten?
Brock: Sicher, "Bitterness the star" war alles andere als optimal für uns. Die Songs waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits teilweise fünf Jahre alt und wir wollten sie endlich so schnell wie möglich einer großen Anzahl von Menschen vorstellen, weshalb wir das erste Album in einer sehr kurzen Zeit aufnahmen. Wir setzten uns unter einen unglaublichen Druck und wollten die Scheibe nur endlich veröffentlicht sehen, um danach sofort zu Touren. Wir hatten unseren ersten "richtigen" Plattenvertrag bei Roadrunner unterschrieben und im Studio verließen wir uns darauf was uns gesagt wurde, anstatt unsere eigene Sicht der Dinge durchzusetzen, dementsprechend war das Ergebnis. Nicht, dass ich die Songs aus heutiger Sicht nicht mehr mögen würde, aber die Produktion hätte wesentlich besser ausfallen können. Für "A snow capped romance" hatten wir uns deshalb als Hauptziel gesetzt, die Dinge die uns an der ersten CD nicht gefallen haben, besser zu machen, beziehungsweise Fehler die gemacht wurden zu vermeiden. Wir hatten damals schon mit Andy Sneap einen Mann im Boot, der wohl als Ikone im Metal Bereich angesehen werden kann. Einige der besten CD's in diesem Sektor stammen aus produktionstechnischer Sicht von ihm. Wir hatten lange Diskussionen, um ihm verständlich zu machen, wohin der Sound der Band führen soll und wie sich die Songs für uns anfühlen sollen. Diese Zusammenarbeit haben wir auf dem neuen Album hervorragend fortgesetzt. Die neue Platte führt unseren Sound einfach weiter, die technischen Möglichkeiten sind heute auch komplett anders als sie es vor drei Jahren noch waren, alles entwickelt sich so unglaublich schnell. Andy ist wieder sehr genau auf unsere Wünsche eingegangen was den Sound angeht – das neue Album klingt einfach noch tighter, noch mehr nach 36 Crazyfists. Wir haben bessere Songs geschrieben, die einfach noch mehr das repräsentieren wofür diese Band steht, ehrliche, harte Rockmusik. Nun kauft die Scheibe endlich (lacht).
Dosenmusik: Was bedeutet der Titel "Rest inside the flames" für dich und wie haben sich deien Lyrics im Laufe der Zeit verändert?
Brock: "Rest inside the flames" bedeutet für mich, sich in all dem Chaos das um einen herum täglich passiert einfach mal eine Minute Zeit zu nehmen, um zu reflektieren. Jeden Tag werden uns so viele Entscheidungen abverlangt, viele Menschen denken einfach nicht mehr selbstständig sondern lassen sich von den "Flames" manipulieren. Die Flamme als solche steht für mich in dieser Hinsicht für alles schlechte das uns umgibt. Medien – falsche Freunde – Druck von allen Seiten, es kann alles sein das dich dazu bringt eine für dich falsche Entscheidung zu treffen. Was meine Lyrics angeht, so versuche ich auch weiterhin sie bewusst persönlich zu halten. Ich bin der Meinung, dass man am besten singt, wenn man die Texte auch "gelebt" hat, soll bedeuten auch nachfühlen kann worum es in dem Text geht, anstatt einfach nur eine Geschichte zu erfinden. Über die Jahre bin ich wohl ganz gut darin geworden, Erlebtes in meine Lyrics zu verpacken, ohne dass gleich jeder aus meinem Umfeld direkt weiß, dass es in dem Song indirekt um ihn/sie geht.
Dosenmusik: Die Platte wurde zum Teil in England abgemischt und gemastered. Gibt es einen speziellen Grund dafür?
Brock: Nein, der Grund dafür ist, dass wir unbedingt wieder mit Andy Sneap arbeiten wollten, und er aber aus persönlichen Gründen nicht aus England (wo er lebt) weg konnte. Daher ist unser Gitarrist Steve einfach mit den kompletten Masterspuren im Gepäck zu ihm geflogen und die Beiden haben dann die Platte gemeinsam abgemischt und gemastered. So war es einfach am günstigsten für alle Beteiligten. Nebenbei ist der Rest der Band so auch mal zu einem wohlverdienten und etwas längeren Urlaub gekommen. Und da Steve ja immer 24/7 am arbeiten ist, haben wir ihm einfach die ganze arbeit überlassen (lacht)... Nein, das war schon alles so geplant.
Dosenmusik: Gibt es bereits Pläne für eine Europa Tournee? Eventuell mit einer anderen Roadrunner Band? Werdet ihr diesmal Headlinen oder wird es wieder eine Support Rolle werden?
Brock: Wir werden definitiv auf eueren großen Festivals im Sommer spielen, das ist bereits sicher. Wir haben vor zwei Jahren bereits das englische "Download" Festival gespielt und das war super für uns. Danach wird es eine Tour geben, sicherlich mit Trivium, die ja bei euch schwer angesagt sind. Es könnte passieren das Trivium in Europa Headlinen und wir sie supporten, dafür würde das Package in den USA dann einfach umgedreht, wir headlinen und sie supporten uns. Das muss aber erst noch geklärt werden, aber ja, Europa und auch gerade Deutschland mit seinen sehr enthusiastischen Fans ist diesmal definitiv eins unserer Hauptziele.
Dosenmusik: Hast du persönlich spezielle Erwartungen an dieses Album? In der Plattenindustrie heißt es doch so schön vom dritten Album einer Band "It makes them – or it breaks them", was soviel heißt, dass von dieser Platte ja einiges für euch abhängt, wenn die dritte Platte nicht voll einschlägt, dann ist oft Schluss mit der Geduld bei vielen Labels...
Brock: Klar, du hast Recht, wir sind nicht gerade das verkaufsstärkste Produkt im Roadrunner- Stall. Aber wenn ich mir darum Sorgen machen würde, dann könnte ich nachts nicht mehr ruhig schlafen. Sicher hat das Label auch einiges an Erwartungen an dieses Album, mein persönliches Ziel jedoch – und damit kann ich auch für den Rest der Band sprechen – habe ich bereits erreicht. Ich wollte einfach unser bisher bestes Album machen, mit den besten Songs die wir zu dieser Zeit schreiben konnten. Das ist uns gelungen, und daher ist alles was jetzt kommt etwas das nicht in unseren Händen liegt. Wir werden uns bei unseren Shows wie immer den Arsch aufreißen, damit die Leute, die ihr hart verdientes Geld in unsere Band investieren einfach sagen können: "das hat sich gelohnt".
Dosenmusik: Ok, kommen wir zu einem deiner Lieblingsthemen. Wie ich ja seit langem weiß bist du ein ausgesprochen fanatischer Fußball-Fan, der selbst Ambitionen hatte einmal Profikicker zu werden (Brock spielte bis er 19 Jahre alt war relativ erfolgreich in einer US College Mannschaft und hat wegen der Band aufgehört). Im Juni findet bei uns in Deutschland die FIFA WM 2006 statt, und du wirst hier sein um euere Platte zu promoten.... Wirst du die WM verfolgen, und was halten deine Bandkollegen davon?
Brock: Also zunächst einmal... Wer mir Tickets fürs Finale in Berlin besorgt bekommt von mit lebenslang freien Eintritt zu unseren Shows (lacht)... Nein im Ernst, ich fiebere der WM entgegen wie jeder andere Soccer Fan auf dem Planeten wohl auch, und ich werde (nicht ganz "patriotisch") zum Englischen Team halten, einfach weil ich finde, dass die Herren auf der Insel den besten Fußball spielen.
(Dosenmusik: Ich werfe hier kurz ein, dass die Brasilianische Mannschaft unweit von Frankfurt ihr Quartier aufschlagen wird...)
Brock: Verdammt... kennst du jemanden, der mich für die Zeit dort aufnimmt?? (lacht laut).... Naja, meine Bandkollegen halten mich hat für total durchgedreht, dass ich diesem "Mädchensport" (in den USA wird Fußball eher bei Frauen ernstgenommen) so viel Beachtung schenke... Aber seit die Jungs mit mir in Europa waren können sie meine Begeisterung eher verstehen. Wir haben in England ein paar Spiele zusammen im Stadion gesehen und die Jungs haben sich anstecken lassen... Naja, mal sehen was wird. Aber ich freue mich sehr auf die WM...
Dosenmusik: Was hörst du momentan an Musik und beeinflusst dich das was du hörst auch als Musiker wenn du neue Songs schreibst?
Brock: Ich höre momentan fast alles was Mike Patton je gemacht hat, er ist und wird immer mein absoluter Lieblingsmusiker sein. Der Typ ist so derbe durchgedreht, aber dennoch so genial. Außerdem habe ich meine alte Lieblingsband Metallica wieder neu entdeckt. Ich höre mir "Ride the lightning" in letzter Zeit wieder sehr oft an. Metallica waren immer ein großer Einfluss für mich, und James Hetfield ist wohl der Grund, warum ich heute in einer Band singe. Aber nein, ich versuche nicht andere Musik in unser Schaffen als Band mit einfließen zu lassen. Das ist zwar schwer, aber wenn wir schreiben höre ich so gut wie keine andere Musik mehr.
Dosenmusik: Euer Gitarrist Steve war ja im Roadrunner All Star Projekt involviert. Er hat einen Song mit Joey Jordison von Slipknot auf dem Album verewigt und ist deshalb extra zu ihm nach Iowa ins Studio gefahren. War er der einzige von euch, der mit dem Projekt zu tun hatte und wenn ja, wie findest du das Ergebnis der Sessions?
Brock: Das ist für mich ein heikles Thema (lacht). Auch ich war an dem Projekt beteiligt, der Song, den ich aufgenommen hatte, wurde aber nicht ausgewählt, was mich schon sehr enttäuscht hat. Ich persönlich finde die Nummer, die mit mir aufgenommen wurde, nämlich um längen besser als dieses wirklich merkwürdige Stück Musik, was die Herren da aufgenommen haben. Ich hörte von Steve, dass Pete Steele (Type O Negative – er singt auf besagtem Stück) nach etlichen Flaschen Rotwein anfing, in einer völlig neuen Sprache zu reden, und dass diese dann auch aufgenommen wurde... Da war wohl mehr als nur Alkohol im Spiel wenn ihr mich fragt... Nein, dieses Stück ist einfach nur krank... Aber Steve hatte viel Spaß dabei und er hat von Joey Jordison eine Menge gelernt, was Studioarbeit angeht, also hat es sich auch für mich indirekt gelohnt. (Nach kurzem Schweigen...) Diese verdammten Bastarde hätten meinen Song nehmen sollen (lacht...)
Dosenmusik: Gibt es einen Ort wo du unbedingt mit der Band mal spielen willst wo ihr noch nie gewesen seid?
Brock: Definitiv Australien. Wir bekommen tonnenweise Post von den Aussies, da müssen wir demnächst mal hin, das wäre auch kulturell etwas was mich sehr reizen würde. Mal sehen, ob das Label da diesmal mitmacht.
Dosenmusik: Wenn du drei Bands (egal ob tot oder lebendig) mit auf Tour nehmen könntest, welche wären das?
Brock: Metallica, Deftones, Faith no more
Dosenmusik: Und wenn du drei Musiker (wieder egal ob tot oder lebendig) dazu bringen könntest, auf euerer nächsten CD mitzuwirken, welche wären das?
Brock: Mike Patton, James Hetfield, Steve Perry (Sänger der Hardrockband "Journey")
Dosenmusik: Ok, abschließend, ließt du die Interviews die du gibst eigentlich, oder interessieren dich die Sachen, die über euch geschrieben werden nicht? Und wie gehst du damit um wenn du falsch interpretiert wirst, oder in der Presse etwas über deine Band steht das so definitiv nicht stimmt?
Brock: Naja, es interessiert mich schon, was über uns geschrieben wird, allerdings wahre ich eine gewisse Distanz. Man kann und sollte auch nicht alles ernst nehmen, was über einen geschrieben wird. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch negative Publicity immer noch gute Werbung sein kann, etwa als verbreitet wurde, wir wären mit unserem Label unzufrieden, was definitiv nie der Fall war. Das hat uns in die Medien gebracht, obwohl wir zu dem Zeitpunkt gar keine Veröffentlichung hatten und so haben die Leute über uns gesprochen, was gut ist. Allerdings waren einige vom Label recht sauer deswegen und wir mussten klarstellen, dass diese Meldung nicht von uns ausging. Aber ja, ich lese was geschrieben wird – bis zu einem gewissen Grad...
Dosenmusik: Irgendwelche abschließenden Worte?
Brock: Ja, ich möchte mich bei allen Fans ganz herzlich bedanken. Ohne euch wären wir keine Musiker, müssten einen beschissenen Job machen und die Musik als Hobby betreiben. Wir können mittlerweile davon leben und ich möchte mich bei jedem dafür bedanken, das meine ich ernst und es ist mir wichtig. Ich will, dass jeder weiß, wenn er zu einer Show von uns kommt oder eine CD von uns kauft, er wird immer 100% 36 Crazyfists von mir bekommen, und das wird auch so bleiben, bis ich diese Band eines Tages nicht mehr machen kann weil ich auf der Bühne tot umgefallen bin (lacht).
Dosenmusik: Danke für deine Zeit, ich hoffe dich bald mal wieder in Frankfurt zu sehen....
Brock: Ok Mann, stell schon mal das Bier für mich kalt...


Brock Lindow - vocals
Thomas Noonan - drums
Steve Holt - guitar
Mick Whitney - bass

www.36crazyfists.com

autor: mylocaljoe | 20.04.2006
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