Interview mit 36 Crazyfists
Interview mit Steve Holt am 17.04.2005 Köln / Live Music Hall One of those days... Last day on European tour with 36 Crazyfists
36 crazyfists live und wieder einer dieser tage, an denen es sich leichter aufstehen lässt als sonst, weil man mit dem gefühl aus dem bett fällt, dass heute abend wieder etwas ganz großes musikalisches passieren wird. es ist sonntag, der 17. April 2005 und heute abend werden 36 crazyfists nach drei jahren endlich wieder deutschen boden rocken und ich kann es kaum noch aushalten vor freude. nach dem kurzen trip über die recht leere A3 stehen wir pünktlich um 16:00 vor der live music hall und werden auch gleich freundlich von roadrunner records empfangen und in die halle gebeten. steve schwirrt noch irgendwo beim catering rum, taucht aber wenig später auf, muß allerdings zuerst noch einen wichtigen gang des touralltages absolvieren: it's time for soundcheck! das interview verschiebt sich ein wenig. also machen wir es uns in der leeren halle auf einem case bequem und warten gespannt auf das, was da so aus den boxentürmen kommen mag. im hintergrund feilen die roadies an den letzten zügen der backline. nach dem bombastischen, druckvollen rockgewitter beim soundcheck und dem neuen song, den wir dabei zu hören bekommen sollten, muß man mir das grinsen schon beinahe aus dem gesicht schweißen. man darf sich getrost auf die nächste scheibe der truppe aus alaska freuen, denn wenn alle neuen songs so klingen wie der gehörte, werde ich dafür stimmen, dass die scheibe platin erhält bevor überhaupt die ersten verkaufszahlen bekannt werden.
während der sound engineer am f.o.h die einstellungen für die erste vorband 'from first to last' vornimmt, begeben wir uns auf die große schwarze couch in den nebenräumen, um mit einem gut aufgelegten steve holt, dem mann, der für die genialen gitarrenriffs dieser band verantwortlich ist, ein kurzes interview zu führen.

Dosenmusik: hi steve, schön das wir heute mit dir dieses interview führen können. wie geht's dir soweit?
Steve: oh, mir geht's super. könnte nicht besser sein. läuft soweit auch alles perfekt.
Dosenmusik: hört sich so an als ob ihr eine gute zeit auf der tour verbracht habt bislang. schönen abend gehabt gestern in münchen? wie war die show?
Steve: absolutely yeah, sehr richtig. großartig wars gestern abend, full house um es genau zu sagen. das 'backstage' war völlig vollgestopft, dementsprechend war auch die stimmung riesig.
Dosenmusik: wundert mich nicht bei so vielen unzähligen genialen songs. da habe ich auch gleich zu anfang eine ungeplante frage zum zweiten song den wir vorhin beim soundcheck gehört haben, den kannte ich nämlich nicht, aber der hat mich völlig umgehauen...
Steve: er hat euch gefallen?
Dosenmusik: ja das hat er. und gefallen ist noch mächtig untertrieben (wir sind gestorben a.d.verf.)
Steve: cool, freut mich. den könnt ihr auch noch nicht kennen, das ist ein neuer song. wir arbeiten gerade intensiv an drei neuen songs und dieser ist am rundesten und ausgereiftesten, deshalb spielen wir ihn auch schon live auf der tour.
Dosenmusik: ich hoffe doch auch heute abend...?
Steve: werden wir tun, keine sorge(lacht). ich glaube es ist der vierte oder fünfte, im ersten part des sets.
Dosenmusik: sehr schön. wie heißt der song eigentlich?
Steve: er heißt 'sells through a phoneline' (ohne gewähr, war sehr undeutlich zu hören a.d. verf. )
Dosenmusik: kommt der song auf die nächste cd?
Steve: yeah. darum werden wir auch nach dieser tour kümmern. uns zusammensetzten und zusehen, dass die neue platte weiter form annimmt, und dann hoffentlich bald veröffentlicht werden kann.
Dosenmusik: wir freuen uns schon sehr drauf und hoffen auf eine baldige release des neuen werkes (grinst)
Steve: wir geben unser bestes (grinst)
Dosenmusik: mal was anderes: wie und warum hat es euch von alaska eigentlich nach portland, oregon verschlagen?
Steve: oben bei uns in alaska ist die szene für unsere musik relativ klein und wir wollten eben auch an unserer karriere arbeiten, das ist mehr oder weniger der grund warum wir uns entschieden haben, nach portland umzuziehen. von dort aus kommt man einfach leichter nach seattle und nach los angeles, zwei der wichtigsten städte was die musikszene betrifft. und da liegt portland einfach zentraler. wir haben also unsere sachen gepackt und uns dorthin begeben um der band bessere möglichkeiten zu eröffnen auf tour gehen zu können, mal als beispiel.
Dosenmusik: also nur wegen der musik, keine persönlichen gründe?
Steve: exactly. nur wegen der band und der musik.
Dosenmusik: gibt es eine richtige szene in alsaka?
Steve: ja die gibt es schon. sie ist jetzt auch nicht so winzig wie sich das vielleicht anhören mag, es gibt schon einige bands, aber die kommen nicht wirklich raus aus alaska. es gibt da einige orte und venues, wo man spielen kann. nur nach einiger zeit kennst du alle und jeden...die einwohnerzahl in alaska ist recht klein. bei uns ging es auch erst richtig voran als wir in portland gelandet sind. wir sind aber nach wie vor sehr oft in alaska. man kann sagen, das wir die hälfte der zeit im jahr in alaska verbringen, den rest in portland.
Dosenmusik: wie habt ihr euch kennengelernt? seid ihr schon seit der schule dicke kumpel oder wie lief das genau?
Steve: eigentlich kommen alle aus ancourage/alaska oder aus kleineren orten außerhalb. kennengelernt haben wir uns durch die dortige musikszene. brock hatte seine band, ich hatte meine. die haben sich dann aufgelöst und letzlich kam es dann, daß wir alle in einer neuen gelandet sind, 36 Crazyfists!
Dosenmusik: ihr habt mit 36 crazyfists zum letzten album mit james winser zusammengearbeitet. warum gerade er?
Steve: wir wollten jemand haben, der brock bei seinem gesang und den melodien unterstützen kann, eine art vocal coach für brock. das war eigentlich der hauptgrund warum wir james ausgesucht haben. wir wollten jemand haben, mit dem man gut an den gesangslinien arbeiten kann, um diese noch weiter zu verbessern. brock macht einen wichtigen teil der band aus und da waren wir uns alle einig, daß beste aus ihm rauszuholen.
Dosenmusik: werdet ihr bei den aufnahmen für das neue album wieder auf james zurückgreifen?
Steve: ich weiß noch nicht genau wie es beim nächsten album laufen wird, eventuell werden wir es auch wieder mit andy sneap zusammen mixen, der uns bei 'bitterness the star' zur seite stand. oder wir mischen beide zusammen und sehen was dabei rauskommt, es ist noch nicht sicher. schauen wir was die zukunft bringt (lacht).
Dosenmusik: wird das neue album vom stil her wieder wie 'a snow capped romance' klingen oder kann man größere veränderungen erwarten?
Steve: (überlegt) ich denke die neuen songs auf dem kommenden album werden eher dem neuen song ähneln den ihr vorhin beim soundcheck gehört habt, es werden härtere parts vorkommen...
Dosenmusik: mehr breakdows und übergänge wie bei dem soundcheck song?
Steve: ja, genau in diese richtung eben. der sound wird nicht völlig vom typischen stil von 36 crazyfists weggehen und in einigen teilen sicher auch noch an 'a snow capped romance' angelehnt sein, aber es wird definitiv eine entwicklung und eine veränderung zu erkennen sein.
Dosenmusik: es gibt hierzulande stimmen, die 36 crazyfists in die emo/screamo/hardcore ecke stecken. was denkst du darüber?
Steve: seh ich überhaupt nicht so. (danke! anm. d. verf.)
Dosenmusik: magazine tendieren momentan eher dazu vielen bands diese maske überzustülpen, da dieser trend gerade am überkochen ist...
Steve: ich sehe 36 crazyfists einfach als eine rock band. ich weiß auch nicht was sich die leute dabei denken, wiegesagt, wir sind eine rockband. punkt.
Dosenmusik: denkst du das kategorien in der rock szene überhaupt wichtig sind?
Steve: also wenn ich für mich persönlich spreche, würde ich sagen das kategorien nicht wirklich wichtig sind. ansonsten ist es eben einfach ein teil des musik buissnes. menschen neigen dazu, alles irgendwie zuordnen zu müssen. vielleicht um sich selbst etwas zuordnen zu können? ich für meinen teil mache das jedoch nicht.
Dosenmusik: wo siehst du deine haupteinflüsse was dein gitarrenspiel angeht?
Steve: ich bin ein großer zakk wylde fan. dimebag darrel natürlich. (kurze pause) ich mag die richtigen originalen rock gitarristen, mit denen alles anfing. und ich habe angefangen gitarre zu spielen, wegen der band die fast jeden gitarristen dazu inspiriert hat: metallica. (alles schaut auf mein t-shirt) (gelächter)
Dosenmusik: best band of the world!
Steve: yeah, sie waren der grund warum ich meine erste gitarre in die hand genommen habe.
Dosenmusik: album top 5 im tourbus auf dieser tour?
Steve: (lacht) oh da war einiges komisches zeug dabei.venus alone... kennt ihr die?
Dosenmusik: äh..nein.
Steve: macht ja nichts (lacht). 'it dies today' sehr coole band (überlegt). soviel musik hören wir gar nicht im tourbus, wir spielen sehr viel karten. meistens um geld (lacht).
Dosenmusik: die legendäre tourbus playstation darf natürlich auch nicht fehlen (lacht)
Steve: (lacht) wir haben eine, aber die wird kaum benutzt. meistens treffen sich alle bands unten um karten um geld zu spielen. wir sind mit drei bands in einem bus, daß sind ne menge leute, da ist einiges zu holen (lacht)
Dosenmusik: (lacht) wo wir gerade beim geld sind...hat sich an eurem lebensstandard viel geändert seit dem letzten album? ihr seid um einiges bekannter geworden und habt mehr alben verkauft...?
Steve: nicht wirklich, ist eigentlich ziemlich gleich geblieben. wir haben alle noch jobs neben der band.
Dosenmusik: wirklich? was machst du denn?
Steve: ich besitze ein studio und nehme dort lokale bands auf. das mache ich hauptsächlich wenn wir gerade nicht auf tour sind.
Dosenmusik: was treiben die andern so?
Steve: mick ist maler und streicht häuser, thomas macht sonst nichts. brock war mal eine zeit lang fischer, er arbeitet manchmal. aber nicht allzuviel.
Dosenmusik: die gute alte frage nach dem songwriting? kannst du dazu kurz was sagen?
Steve: früher habe ich sehr viele sachen alleine geschrieben auf der gitarre. heute jammen wir eigentlich überwiegend im proberaum und ziehen das beste zu songs zusammen. so läuft es eigentlich immer. jeder trägt seinen teil dazu bei. ich finde das so auch besser. wenn alle in einem raum sitzen und jeder an den songs mitarbeitet.
Dosenmusik: das ist sehr gut für den bandzusammenhalt...
Steve: absolut richtig. außerdem öffnen sich für den song neue dimensionen, je mehr man zusammen an ihm arbeitet.
Dosenmusik: was denkst du über das leben 'on the road' ?
Steve: viele leute mögen das leben 'on the road'. wahrscheinlich mehr als ich selbst. ich mag es schon gerne, aber ich bekomme dann doch irgendwann heimweh.
Dosenmusik: best thing about the road?
Steve: das soll jetzt nicht irgendwie abgedroschen klingen, aber...ich mag es bier zu trinken, mit coolen leute abzuhängen die genauso denken wie ich und den schönen mädels hinterherzuschauen (gelächter)
Dosenmusik: worst thing about being on the road?
Steve: wahrscheinlich heimweh zu haben, man sieht eine menge leute und dinge die einem viel bedeuten für lange zeit nicht...
Dosenmusik: kann es sein das viele leute eine falsche vorstellung haben über das leben 'on tour'?
Steve: viele leute neigen dazu zu denken das es immer um die große party geht und nichts anderes zu tun ist. aber du mußt dich auch um viele dinge kümmern, sei es equipment und sämtliche geräte ein und auszuladen, zum beispiel. zu beginn der tour hatten wir nicht mal jemanden der unser merchandising verkauft, der kam erst später. viele dinge die anfallen und erledigt werden müssen, die einem außenstehenden nicht unbedingt auffallen.
Dosenmusik: vieviele leute sind in eurer crew?
Steve: zwei. plus den busfahrer. einen tourmanager und noch der stage manager.
Dosenmusik: gehören die zu euch oder sind die für alle drei bands?
Steve: die sind alle auch für die vorbands zuständig. die zusammenarbeit funktioniert wunderbar. und es spart im übrigen geld. (lacht) alle bands fahren auch mit dem gleichen tourbus, wir verstehen uns super mit den andern. ('from first to last' & '12 tribes' anm. d. verf.)
Dosenmusik: kennt ihr euch schon länger?
Steve: wir kennen twelve tribes, mit denen waren wir in den staaten schon auf tour, from first to last haben wir auf dieser tour kennengelernt.
Dosenmusik: wie denkst du über die deutsche musikszene? wie reagieren die leute diesmal auf euch?
Steve: awesome, man! die leute scheinen sehr auf die härtere musik zu stehen hier drüben. es existiert eine größere akzeptanz für härtere musik hier drüben als in den staaten. wir spielen in größeren hallen, die auch voll sind, insofern hat sich auf jeden fall was aufgebaut. sehr cool.
Dosenmusik: eins eurer letzten videos war dieses kung fu - artige zu 'bloodwork'. wie zum geier seid ihr auf die idee gekommen?
Steve: wir haben uns gedacht das es einfach lustig ist. wie ihr sicher wisst kommt der bandname auch von einem kung fu film aus den 70gern. ein jacky chan film der da heißt...
Dosenmusik, Steve: (gleichzeitig) jacky chan and the 36 crazyfists (lachen)
Steve: wiegesagt, ich interessiere mich für kung fu, seid ich ein kleiner knirps war, daher kommt das wohl...
Dosenmusik: ist ja schon etwas kitschig, das video! (lacht)
Steve: (lacht) sehr kitschig, auf jeden fall. ich kanns mir kaum anschauen manchmal. aber das war auch die ganze idee dahinter, einfach was lustiges, überzogen kitschiges hinzulegen. um zu zeigen, das wir einfach nicht irgendwelche ernsten typen sind und auch das man den inhalt der musik nicht immer so ernst sehen soll. it's all about having fun and about rock n roll.
Dosenmusik: cool. noch ein paar short cuts zum schluss. ich sag spontan was und du gibst ne spontane antwort drauf ok?
Steve: klar, gerne fang an!
Dosenmusik: brocks vocals?
Steve: good boy!
Dosenmusik: drum playing of thomas?
Steve: anal! (gelächter)
Dosenmusik: snow capped romance?
Steve: mountains!
Dosenmusik: george bush?
Steve: weirdo!
Dosenmusik: dimebag darrel?
Steve: (pause) rest in peace!!!
Dosenmusik: roadrunner records?
Steve: METAL!
Dosenmusik: 'head' of korn?
Steve: lost his head! (gelächter)
Dosenmusik: german beer?
Steve: good! (grinst)
Dosenmusik: german girls?
Steve: very good! (grinst mehr)
Dosenmusik: interviews?
Steve: not so bad! (lacht)
Dosenmusik: (lacht) oh thank you. scheint als würde wir unseren job doch nicht so verkehrt machen. (gelächter) vielen dank für das interview steve. nice talking.
Steve: thank you guys, enjoy the show, es ist der letzte tourtag heute, das wird sicher sehr lustig!
Dosenmusik: wir sind gespannt, thanx for everything and have a great time!

die musikalische leistung die wir im anschluß zu hören bekommen, übertrifft fast alles, was meine ohren in der letzten zeit zu hören bekamen (mal sämtliche metallica und machine head konzerte dieses lebens ausgenommen). den kopf während der show von 36 crazyfists stillzuhalten war fast unmöglich, sämtliche erwartungen meinerseits wurden weit übertroffen. dabei dachte ich, sie hätten mich bereits vor drei jahren in der batschkapp weggeblasen. klassiker wie slit wrist theory, bloodwork, the heart and the shape, at the end of august und chalk white füllten die setlist des abends, mit solch einer leidenschaft in richtung publikum gepfeffert, das selbst beim ruhigsten mauerblümchen in der halle rhytmische bewegungen nicht mehr zu vermeiden waren. von dem tobenden moshpit mal ganz zu schweigen, dem durch die power von twelve tribes bereits ordentlich eingeheizt worden war! gespickt mit diversen späßen der bands onstage aufgrund des letzten tourtages, wie klorollenattacken auf brock & co. oder 36 crazyfists rasta-plastik-dread-head-dancing-brüll einlage während der show von twelve tribes (sänger hat dreads bis zum hintern), kann man diesen abend sicher zu denen zählen die man so schnell nicht vergessen wird.


Brock Lindow - vocals
Thomas Noonan - drums
Steve Holt - guitar
Mick Whitney - bass

www.36crazyfists.com

interview: shavo & frank | 17.04.2005
autor: shavo
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