Interview mit 36 Crazyfists
E-Mail Interview mit Brock Anfang 2004 Über die Band, New Metal und vieles mehr
36 crazyfists Was auch immer man vom Nu Metal Boom Mitte der Neunzier halten mag, eines muss man ihm zugestehen. Die Sparte war Stilprägend und dies in mehr als nur einer Form. Sicher, es gibt zu viele Bands, die in ihrer Entwicklung stagnieren, oder wie im Falle von Limp Bizkit zum MTV massenkompatiblen Einheitsbrei werden.

Nur wenige Bands schaffen es, aus der Masse herauszustechen um sich langfristig durch die Qualität ihrer Musik zu etablieren. 36 Crazyfists sind mit ihrem neuen Album "A snow capped romance" auf dem besten Weg dahin.

Dieses Interview wurde mit dem Sänger der Band Brock Lindow geführt, der sich im Verlauf des Chats einmal mehr als intelligenter, aufgeweckter Zeitgenosse entpuppte.

Dosenmusik: Hi Brock. Wie geht es dir? Was machst du gerade?
Brock: Hi Joe, mir geht es soweit ganz gut, ich kuriere gerade einen ausgewachsenen Kater aus den ich mir gestern auf der Geburtstagsparty eines Freundes angetrunken habe...
Dosenmusik: Du bist also zu Hause im Moment?
Brock: Yeah, ich bin zur Zeit noch in Anchorage wo ich versuche mich vom Studio etwas zu erholen, bevor es dann wieder auf Tour geht.
Dosenmusik: Lass uns zunächst etwas über die Anfänge der Band reden. Wo und wie seid ihr zusammengekommen?
Brock: Oh das ist schon so lange her..... Ja, ursprünglich haben wir uns so 1992/93 zusammengetan um wilden Krach zu fabrizieren, damals noch in einer völlig anderen Besetzung. Das ganze war mehr um des Spasses willen, nie hätte ich gedacht das daraus mal was ernstes wird. Das kam erst später, als wir unsere ersten Demos aufgenommen hatten und das Ergebnis erkennen ließ, dass sich die Mühe absolut lohnte. Das war um 1994 als die erste feste Besetzung der Band (damals noch mit anderem Bassisten der 1996 unter tragischen Umständen ums Leben kam) sich formiert hatte. Nach den ersten Liveshows zeigte sich, dass unsere Musik bei den Leuten gut ankam, was der Grund war unsere ersten CDs selbst zu produzieren. Der Rest ist eigentlich eine unglaubliche Auchterbahnfahrt, die nur durch viel Glück und viel Einsatz der Band zustande kam.
Dosenmusik: Was war denn für dich persönlich der Grund mit dem Musikmachen anzufangen?
Brock: Ach ich mache eigentlich schon immer in irgend einer Form Musik. Angefangen habe ich am Schlagzeug, aber ich stellte relativ schnell fest das ich meiner Stimme Ausdruck verleihen wollte, was hinter dem Drumkit relativ schwer möglich war. So fing ich an in Bands zu Singen (na ja, damals konnte man das eher "zwitschern" nennen)... Und das hat sich bis heute so fortgesetzt.
Dosenmusik: Hast du im Moment irgendwelche aktuellen Lieblings CDs?
Brock: Nicht wirklich aktuell. Ich finde die letzte Skinlab (ReVolting Room) ganz gelungen. Und natürlich unsere Scheibe hehe...
Dosenmusik: Welche Bands haben euch beeinflusst?
Brock: Oh das sind zu viele um alle zu nennen. Ich persönlich fand die ersten Quicksand Sachen toll, genau wie die Deftones, die meiner Meinung nach völlig aussergewöhnliche Musik machen. Daneben waren es viele lokale Acts die mich beeinflusst haben, und natürlich unsere Kumpels von Skinlab, die uns ja dann auch letztendlich zum Plattenvertrag mit Roadrunner verholfen haben.
Dosenmusik: Erzähl doch mal wie ihr zu euerem Plattendeal mit Roadrunner gekommen seid. Brock: Das hängt auch mit Skinlab zusammen. Mit dieser Band verbindet uns eine langjährige Freundschaft. Die Jungs haben einfach ihrem zuständigen A&R bei Roadrunner so lange von uns vorgeschwärmt bis dieser ein Demo von uns haben wollte. Dann kam er zu einigen unserer Shows und zeigte direkt interesse daran uns für Roadrunner zu verplichten. Ihr seht also, es ist nie falsch Freunde mit Plattenverträgen zu haben. hahaha...
Dosenmusik: Und seid ihr zufrieden mit dem Label?
Brock: Mittlerweile schon. Ich denke das Label arbeitet seinen Möglichkeiten entsprechend gut. Man muss sich halt auch vor Augen halten, dass wir nicht Nickelback sind, die mal locker mit einem Album 5 Millionen CDs verkaufen. Wir sind im grossen und ganzen mit der Arbeit unseres Labels zufrieden.
Dosenmusik: Gut, lass uns über das neue Album sprechen. Wo siehst du die gravierensten Unterschiede zwischen "Bitterness the star" und "A snow capped romance"?
Brock: Das neue Album ist eine konsequente Fortsetzung dessen was auf "Bitterness..." bereits angedeutet wurde. Dadurch, dass wir mehr Studiozeit hatten, konnten wir den Songs im Studio genau den Sound verpassen, den sie verdienten. Keine Frage, ich bin mit "Bitterness..." mehr als zufrieden, allerdings könnte man im Nachhinein betrachtet eine Menge an der CD verbessern. Vor allem fehlte uns die nötige Erfahrung, um einfach mal im Studio straight zu sagen, wie der Song klingen soll. Wir haben uns bei der Produktion meiner Meinung nach zu sehr auf die Meinung dritter (Engeneers, Producers) verlassen, statt den Songs unseren Sound zu verpassen. Von daher ist "A snow capped romance" mehr unser alleiniges Werk, da wirklich alle Songs genau so klingen, wie wir sie haben wollten. Man merkt der Band auch an, dass sie durch das viele Touren einfach viel tighter geworden ist. Die Songs sind einfach frischer, die Songs auf "Bitterness...." wahren ja teilweise schon sehr alt.
Dosenmusik: Hast du auf dem neuen Album irgendwelche Lieblingslieder?
Brock: Ich weiss, dass das jetzt voll "Cheesy" klingen wird, doch ich liebe sie alle. Ich könnte mir nicht vorstellen dieses Album in einer anderen Form veröffentlicht zu haben. Daher... Alle Songs sind "Hits" für mich.
Dosenmusik: Gibt es eine Besondere Aussage die das Album vermitteln soll?
Brock: Ganz klar: Wir sehen uns nicht als politische Band. Von daher sind die Songs die ich schreibe eher persönlich beeinflusst, auch das hört man zwar ständig, aber dennoch: ich versuche die Songs so zu schreiben, dass jeder einen eigenen Bezug dazu herstellen kann. Nimm "Slit wrist theory" zum Beispiel. Bei einem unserer letzten Chats hattest du mir deine Sichtweise zu den Lyrics erzählt. Ich finde das fantastisch, denn meine Sicht des Liedes ist eine ganz andere. Wenn ich eine einzige Aussage zu treffen hätte mit dieser Platte, dann wäre es die, dass wir aus Gefühlen - guten wie schlechten - Songs gemacht haben, die wie ich hoffe deine "Seele" treffen, und nicht nur zum kurzen hinhören beim kochen einladen.... oder... kochen is gut... streich das wieder... hehehe
Dosenmusik: Wie schreibt ihr Songs? Muss man sich das als stundenlange Jam Session vorstellen, oder eher als individuellen Prozess, wo einer einen Song fertig schreibt und den anderen dann vorstellt?
Brock: Nein dass passiert schon meist zusammen mit den anderen Jungs. Steve (Holt, Gitarrist) kommt meist mit einer Riffidee oder einer Melodie an, auf die die anderen dann einsteigen. Wenn dann ein Songgerüst steht, dann kommt mein Gesang dazu. Ich versuche dann die Gesangsmelodien festzulegen ohne aber schon richtige zusammenhängende Sätze zu verwenden. Der Text kommt dann dazu, wenn wir quasi die finale Version eines Songs mit Gesangsmelodie ausgearbeitet haben. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass diese Art zu arbeiten unsere "absolute" Methode ist. Es ist auch schon vorgekommen das einer einen Song quasi komplett alleine komponiert hat. Das ist aber eher die Ausnahme.
Dosenmusik: Wie wichtig sind dir deine Lyrics im Bezug zum Rest der Musik?
Brock: Die Lyrics sind im Prinzip genauso wichtig wie die Musik, also 50:50. Was nützt dir ein super Song, wenn du darin einen Sänger hat, der über Elfen und Drachen singt? Ich meine nichts gegen zum Beispiel Dio oder Iron Maiden, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass irgend jemand deren Lyrics wirklich allzu ernst nimmt. Ich hingegen versuche die Emotion die die Musik beim Hörer auslöst durch die Lyrics noch zu verstärken, quasi zu untermauern. Beispielsweise ein wütender Part, Moshgitarren, Wuchtiger Bass und drückende Drums. Dazu versuche ich dem Hörer eine Erklärung zu geben, um ihn verstehen zu lassen woher diese Wut kommt.
Dosenmusik: Welchen Song würdet ihr eventuell gerne covern?
Brock: Naja wir haben in der Vergangenheit sache von den Deftones oder Kiss oder Handsome gecovert, aber mehr so zum Spass. Eine Coverversion auf einem Album zu veröffentlichen finde ich nicht so gut, höchstens als B-Side auf einer Single. Mal sehen was da so kommt. Im Moment fällt mir kein passender Song ein, aber wer weiss?
Dosenmusik: Wo siehst du die unterschiede zwischen Konzerten und Fans in den USA und Deutschland?
Brock: Wir waren ja speziell in Deutschland noch nicht als Headliner unterwegs. Was ich aber von den paar Shows bei euch sagen kann ist, dass ihr euch da drüben echt für eine Band interessiert, wenn euch die Musik gefällt. In den USA ist es meist völlig egal wer du bist, da wollen die Leute einfach nur unterhalten werden. Nimm Papa Roach z.B. Die haben hier massenweise CDs vertickt, dennoch weiß keine Sau den Namen des Sängers. Bei euch hingegen weiss jeder wie er wirklich heisst (er nennt sich ja Coby Dick, heisst aber eigentlich Jacoby Shaddix), wann er Geburtstag hat, wie seinu Mutter heisst... Naja das viellicht nicht. Aber was ich damit sagen will ist, das in Europa die Leute generell auch mehr an den Personen interessiert sind die hinter der Musik stehen. In den USA hingegen ist alles so schnellebig das dort keiner mehr richtig hinhört. Alles ist nur noch auf Trends ausgelegt, und wenn du als Band nicht in den gerade angesagten Trend passt, so bist du für die breitte Masse garnicht interessant. Es gibt ausnahmen, wie die vorhin bereits angesprochenen Nickelbackzum Beispiel, aber generell ist es schon eher so, dass du als Rock- oder Metalband eher schlechte Karten hast wenn du nicht gerade Trendmusik ala Linkin Park oder Limp Bizkit machst, die nur auf Verkäufe ausgerichtet ist.
Dosenmusik: Was macht ihr eigentlich privat, wenn ihr nicht auf Tour seid oder ne CD einspielt?
Brock: Na eigentlich sind wir ganz normale Typen die versuchen soviel Spass wie möglich zu haben. Wenn ich beispielsweise gerade von einer Tour nach hause (Brock wohnt eigentlich in Anchorage/Alaska, doch die Band ist komplett nach Portland/Oregon umgezogen um für Bandaktivitäten eine gemeinsame Basis zu haben) komme, dann versuche ich soviel Zeit wie möglich mit den von mir geliebten Menschen zu verbringen, die ich ja sonst fast nie sehe. Ansonsten gehe ich gerne in Clubs, oder verbringe zeit mit meinen Kumpels.
Dosenmusik: Stimmt es das du ein sehr "deutsches" Hobby hast?
Brock: Yeah man, ich spiele für mein Leben gerne Fußball, ich war sogar in einer Auswahlmannschaft vertreten. Schade, dass man hier in den USA keine richtige Profiliga hat wie bei euch...
Dosenmusik: Pläne für die Zukunft? Speziell für die Band?
Brock: Yo, klar will ich mein "Rockstar" Leben voll auskosten, das würdest du doch auch tun oder? Ausserdem will ich einfach weiter Songs schreiben die mir das Gefühl geben etwas grossartiges geschaffen zu haben. Mehr von den Städten sehen in denen wir spielen, das wäre auch ein Ziel.
Dosenmusik: Any last words?
Brock: Yo, stellt das Bier kalt, denn wir werden euch "A snow capped Romance" bald live um die Ohren hauen. Ansonsten... "Stay rock"? ist das gut als last word?
Dosenmusik: Es sind deine Worte Alter, ich schreibe sie nur auf...
Brock: Hm... In diesem Falle... Sammelt Geld und gebt es Joe, den er hat hier einen echten Scheissjob... Hahaha
Dosenmusik: Machs gut Brock....
Brock: Du auch mann....


Brock Lindow - vocals
Thomas Noonan - drums
Steve Holt - guitar
Mick Whitney - bass

www.36crazyfists.com

autor: mylocaljoe | 2004
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