cd-reviews
Interpret: Limp Bizkit
Titel: Gold Cobra
Label: Interscope
Erschienen: 24.06.2011

Bewertung:
Autor: 12 von 15 (der mann aus wü)
Leser: 7 Punkte (Durchschnitt)


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  Cover

Vorsicht: bissig!
Tracklist: 01. Introbra
02. Bring It Back
03. Gold Cobra
04. Shark Attack
05. Get A Life
06. Shotgun
07. Douche Bag
08. Walking Away
09. Loser
10. Autotunage
11. 90.2.10
12. Why Try
13. Killer In You
14. Back Porch [bonus]
15. My Own Cobain [bonus]
16. Angels [bonus]
17. Middle Finger [bonus]
Es ist der 20. Juni 2011 und Fred Durst postet online die Worte "I hope you are enjoying my leak. I couldn't wait any longer bitches!!" - 15 Minuten später zählt Facebook 500 "Likes" und über 100 Fans drehen in den Kommentaren durch. Wer also glaubte, dass nach sechs bzw. acht Jahren ("The Unquestionable Truth, Pt. 1" EP bzw. "Results My Vary") doch sowieso kein Mensch mehr auf die mittlerweile wieder in Urbesetzung aktiven Amis wartete... "fuck you, haters!"

Gleich der Startschuss "Bring It Back" ist dermaßen Nu Metal und 1990er, dass einem ein wenig die Spucke wegbleibt: ein sägender Gitarrensound wie aus dem 1x1 des späten Crossover, eine ultrafette HipHop-Bassspur vor dem Herrn, darüber das altbekannte Rapspiel des Herrn Durst. Das einzige, was dem Ganzen zum Hit fehlt, ist hingegen eben genau das: der Hitfaktor. Wo ist der mitgröhlfähige Refrain, wo die fiese Ohrwurmmelodie?

Aber nur ruhig: Exakt einen solchen hirntechnisch unauslöschbaren Part knallen Limp Bizkit im folgenden Titeltrack hin. Durst versucht sich an einer echten Gesangslinie und macht in seiner doch arg limitierten Weise alles richtig. "Gold Cobra" ist drückend und zwingend, wobei man sich ganz klar in massenkompatiblen "Keep rollin', rollin', rollin'"-Gewässern bewegt.

Doch kaum meint man, man müsse sich mit einem "früher war halt doch alles besser/knalliger/härter" abfinden, kommt "Get A Life" um die Ecke und haut spätestens im Refrain alles so richtig weg. Fernab eines möglichen Radio-Airplays wird da der Verzerrer bis zum Anschlag aufgedreht, die Schimpfwort-Liste von A bis Z durchgearbeitet, die brüllenden Stimmen von Durst und nicht näher benannten Gastrappern überschlagen sich. Das sollte im Club des Vertrauens auch den Letzten zum Wackeln bringen.

Die Vorab-Single "Shotgun" ist mir dann doch wieder ein wenig zu typisch, ausgelutscht und schlicht zu platt: Auf P.O.D.'s "Satellite" (2001) wäre das Stück nicht sonderlich aufgefallen. "Douche Bag" wiederum ist trotz seiner überschaubaren Laufzeit von 3:30min und gelegentlichen kleinen Spielereien im Lauf des Songs so repetetiv, dass einem das ständige "I'm gonna fuck you up"-Skandieren nach ein paar Durchläufen definitiv auf die Nerven geht.

"Walking Away" ist ein Stück mit diversen Aufs und Abs, das in eindeutiger Tradition großer Hits wie "Re-Arranged" steht. Gut gemacht, aber bestimmt ebenso mit gewisser Berechnung. Auch das geradlinige, melodische "Loser" hätte sicherlich das Zeug dazu, die Singlecharts bei entsprechender Unterstützung durch Promo und Videoclip aufzumischen.

In die Annalen der Musikgeschichte könnten Limp Bizkit definitiv mit "Autotunage" eingehen - nach einem kleinen Monolog rund um die Lächerlichkeit des Stimmen-Autotunings und einem kleinen Seitenhieb, dass das ja ganz evtl. alles mit dem "Nookie" zu tun haben könnte, wird in dem Stück eben genau dieses nach Cher anno dazumal mittlerweile bis zum Erbrechen genutzte Feature augenzwinkernd wohl erstmals in einem härteren Stück genutzt. Nein, okay: Der "Crankcore" ist ja voll von diesem Müll. Aber zurück zu LB: Hoffen wir mal, dass "Autotunage" auch wirklich als Abgesang verstanden wird, den er darstellen soll. Das Problem hierbei ist nämlich, dass das Stück ein ziemlicher Übersong ist - und da kann durchaus schnell mal das Augenzwinkern verloren gehen.

Mit dem anstrengenden "Killer In You" entlässt die Standard-Edition der goldenen Kobra den Hörer; Fans sollten aber auf alle Fälle auf eine der diversen Special-Editions zurückgreifen - warum nämlich das hypnotische "Back Porch" mit seinem unwiderstehlichen Flow nur als Bonustitel zu haben ist, will sich mir einfach nicht erschließen so wie auch "Middle Finger", eine Hip-Hop-lastige Kollaboration mit Paul Wall, hörenswert ist und mich an Korns Zusammenarbeit mit Ice Cube auf "F**k Dying" erinnert.

Fazit: Limp Bizkit liefern ihren Fans exakt das, was diese von ihrer Lieblingsband erhofften; man muss eigentlich fast schon festhalten, dass sie mehr liefern, als man realistischerweise erwarten konnte. "Gold Cobra" mischt ohne zu langweilen Limp-Bizkit-Trademarks von "Three Dollar Bill, Yall$" bis "Chocolate Starfish" und macht einen weiten Bogen um die halbgaren Bandaktivitäten ab 2003. "Golden" ist dennoch nicht alles - inhaltlich rappt Herr Durst mal wieder viel Müll zusammen, das jugendlich-überdrehte Gebaren nimmt man den Mit-Vierzigern immer weniger ab, die pseudo-coolen vermeintlichen "viral videos" der Plattenfirma sind vollkommener Käse und schlussendlich ist das Coverartwork wirklich jenseits von Gut und Böse. Insofern alles beim Alten: Fans rennen ab sofort wieder "red-capped" rum und die "haters keep hating".
Ähnliche Band: P.O.D.
Weitere vergleichbare Bands: Thousand Foot Krutch, Pleymo, 4LYN, Rage Against The Machine, Faith No More
 
meinungen zu der veröffentlichung
25.07.2011 | 17:33 Uhr | Worscht: keine Wertung zwei gute riffs von borland, den rest der platte kann man getrost entsorgen. sogesehen eigentlich die ganze platte :)

24.06.2011 | 01:58 Uhr | der mann aus wü: 12 Punkte hihi.

23.06.2011 | 21:25 Uhr | coney: 3 Punkte echt! :) mich nervt wirklich fast alles an der scheibe - besonders die attitüde, die schlimmen lyrics, die schreckliche stimme, das aufgesetzte gehabe, die einfallslosen arrangements, die aufgewärmten riffs, die riesigen egos... allein der kurze versuch wie früher auf der 3$ zu klingen und ein paar kopfnickerpassagen find ich passabel, aber selbst die nehm ich der band nicht mehr ab. ich vergleich limp bizkit mit nix mehr, auch nicht mit korn, hab ich auch noch nie. außer dass man halt so klingt, wenn man millionär ist - satt und zufrieden und ideenlos. früher hatte ich spaß mit der roten kappe, heut seh ich rot.

23.06.2011 | 21:03 Uhr | dose: 10 Punkte @ coney: echt? klar ist das irgendwie aufgewärmt, aber den weg fand ich bei korn okay und finde ihn hier auch gut. besser das, als das, was zwischendrin stattfand... für meinen geschmack...

22.06.2011 | 23:09 Uhr | coney: 3 Punkte ich kann das nicht hören, da werd ich aggressiv. und nicht diese wohltuende aggression wie bei gutem hc oder so, sondern die das-ist-so-schlecht-ich-will-die-cd-verbrennen aggression. nur ums klarzustellen, ich habs komplett durchgehört. 3 stellen fand ich gaaaaanz kurz ganz nett (2x als es mal fix abging wie zu 3$/so-zeiten) und dann als es endlich zuende war - die 3 punkte müssen ja einen grund haben. so ne aufgewärmte, aufgesetzte kacke. die ersten beiden alben fand ich toll. live zum dritten album hatte ich riesenspaß, aber danach wurds mau und das jetzt hier ist so sinnvoll wie herpes. da hör ich ja lieber charts.

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