cd-reviews (empfehlung)
Interpret: Taproot
Titel: Plead the Fifth
Label: Victory Records
Erschienen: 14.05.2010

Bewertung:
Autor: 13 von 15 (der mann aus wü)
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  Cover

On your feet now rise!
Tracklist: 01. Now Rise
02. Game Over
03. Fractured (Everything I Said Was True)
04. Release Me
05. Stolage
06. 911ost
07. Trophy WiFi
08. Words Don't Mean A Thing
09. Left Behind
10. No View Is True
11. Stares
Ich finde Taproot ja uneingeschränkt toll. Jedes Album, ob nun das durchaus sperrige Debüt (2000), das deutlich melodienverliebtere "Our Long Road Home" (2008) oder die beiden Zwischenschritte immer weiter weg vom Nu-Sound der Anfangstage, wuchs in meinen Ohren und ist bis heute nicht totzukriegen. "Grower" sagt man dazu wohl, aber nur wenige geben den Taproot'schen Veröffentlichungen genug Zeit, um das überhaupt erfahren zu können. Schnell war man gerade bei den letzten beiden Scheiben dabei, das Ganze unter "Nu Metal gone Alternarock, die hundertste" abzuhaken.

Das haben wohl auch die Herren von Taproot selbst bemerkt und deshalb bewusst einen nicht unerheblichen Schritt zurück gemacht: Im Opener "Now Rise" speit Stephen Richards seine Worte dermaßen fies ins Mikrofon, dass man schon mal kurz die Luft anhält. Die Gitarren sind erstmals seit "Welcome" (2002) wieder standardmäßig eine Quinte tiefer gestimmt und hinterlassen einen deutlich angriffslustigeren Eindruck. "Game Over" erinnert schon vom Soundgewand her sofort an die eher spröde daherkommenden Großtaten vom zehn Jahre alten "Gift". Immer wieder zitiert man sich auf "Plead The Fifth" selbst, ohne dabei eine reine Kopie seiner selbst und damit überflüssiges Material abzuliefern. Von der ersten bis zur letzten Minute ist aber klar: Das sind unverkennbar Taproot und niemand sonst.

Parallelen zu den Deftones, deren Weg sich mit dem Taproots nicht nur einmal kreuzte, finden sich zuhauf: Auch die Deftones wagen aktuell mit ihren "Diamond Eyes" einen Blick zurück auf ihre "klassischen" Outputs. Beide gehören zu den wenigen Bands, die während eines wahren Hypes und heute eigentlich totgesagten Genres groß wurden und bis heute durchgehalten haben, ohne sich bei aller Veränderung dem veränderten Massengeschmack angebiedert zu haben. Sowohl Taproot als auch die Deftones passten dabei nie wirklich in die sowieso schon schwammige Nu-Metal-Schublade. In beiden Bands drehte sich nie das Mitgliederkarussell, bis 2008 jeweils aus unterschiedlichen Gründen ein Gründungsmitglied aus der Rhythmusfraktion ersetzt werden musste. Die Stimme von Chino Moreno prägt das Gesamterlebnis Deftones ebenso stark wie das außergewöhnliche Organ und die Phrasierung Stephen Richards bei Taproot. Dass die beiden neuen Scheiben von Taproot und den Deftones zudem nun fast zeitgleich erscheinen, bleibt da nur eine Fußnote.

Taproot liefern mit "Plead The Fifth" ihr Victory-Records-Debüt ab, während man zuvor bei Atlantic Records in Major-Gefilden verweilte. Victory gaben dann auch einen ziemlich eng bemessenen Zeitplan vor und Gitarrist Mike DeWolf ließ sich im Laufe der Aufnahmesessions auch schonmal leicht gestresst mit den Worten "We're trying to meet very impossible deadlines" zitieren. Einen negativen Einfluss scheint es aber nicht gehabt zu haben: Alles, was man von Taproot erwartet, wird geliefert: außergewöhnliche und meisterliche Melodieführung, Refrains zum Niederknien, zuhörenswerte Texte eines gesegneten Sängers, vertrackte Rhythmusarbeit, Songstrukturen jenseits 08/15, Groove und Dynamik ohne Ende - alles nur eben eine ganze Schippe straighter, roher und wieder mehr "old-school" als zuletzt. Es findet sich auch kein einziger Song auf "Plead The Fifth", der die ruhigere Seite der Band weiter auszuloten versucht - es gibt also keine legitime Fortführung der "I"-, "Like"-, "Promise"-, "Run To"-Reihe.

"Pleading the Fifth" bezeichnet übrigens in den USA eine bestimmte Form des Rechts auf Aussageverweigerung vor Gericht, um sich möglicherweise nicht selbst zu belasten. Im Kontext der Platte ist es aber wohl eher auf einer Wortspiel-Ebene zu sehen: Taproot legen uns mit "Plead The Fifth" ihren fünften Streich vor und man kann ihnen gar nicht genug dafür danken.

Ich finde Taproot ja uneingeschränkt toll.
Ähnliche Band: 36 Crazyfists
Weitere vergleichbare Bands: Deftones, Korn, Sevendust, Chevelle, Systematic
 
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