cd-reviews
Interpret: Kafkas Orient Bazaar
Titel: Die Neue Farbe
Label: Snowhite Records
Erschienen: 16.04.2010

Bewertung:
Autor: 12 von 15 (Hans Maulwurf)
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  Cover

Feilschen erlaubt
Tracklist: 01. Glas
02. Nightlife Boycott
03. Killer
04. No More Tricks
05. Staub
06. Hâlâ
07. Deine Mutter
08. Kabul
09. Meet Me At The Moon Bar
10. Failure
11. Stealing My Time
Nach mehreren Hördurchgängen im sonnigen Nordbaden habe ich mich entschieden, dieses Album gut zu finden.

Vielleicht liegt es an den motivierenden Aussichten, die vor allem der weibliche Bevölkerungsteil in diesem Frühsommer bietet. Vielleicht ist „Die Neue Farbe“ aber auch einfach ein abwechslungsreiches Potpourri, das sich laut Bandaussage „zwischen Indie, Elektropop und Hardcore“ bewegt. Gut, den Hardcore kann man in der Musik definitiv nicht finden, die anderen Koordinaten passen umso besser.Es geht los mit einem durch Synthesizer verstärkten Popper („Glas“), der genug Schmackes mitbringt, um den Hörer gleich auf Betriebstemperatur hochzufahren. Die Franz Ferdinand-Anleihen im folgenden „Nightmare Boycott“ – einem von fünf englischsprachigen Songs – ziehen direkt auf die Tanzfläche. Und wenn man schon dort ist, wird man euphorisiert durch den Disco-Beat in „Killer“ gar nicht mehr fort gelassen. Zwischen diesen Polen pendelt die Musik der vier Münchner ständig hin und her. Die erste Single „Staub“ ist deshalb eine gute Wahl, da auch hier die englischen Vorbilder schmissig angespielt werden. Schließlich getrauen sich KOB, einen echten Schmachfetzen aus dem Hut zu zaubern, der aber so hinreißend präsentiert ist, dass sich die völlig unpeinlichen Vergleiche mit Ash oder Everclear rechtfertigen lassen. Am Ende fügt der Abschlusstrack „Stealing My Time“ mit seinem ernsthafteren Sound und Text noch einmal eine interessante Facette zum Klangkosmos der Band hinzu.

Die Texte verleiten dazu, dass man KOB zwischenzeitlich als Partysmasher bezeichnen will. „Deine Mutter“, das musikalisch direkt neben Deichkind und Frittenbude wohnt, kommt mit sinnfreien Dilettantenversen daher („Deine Mutter geht steil, deine Mutter ist fett / Deine Mutter hat die Sicht auf unsre Sonne verdeckt“). Da sehe ich schon die Festivalcrowd explodieren. „Staub“ dagegen ruft mit der Zeile „niemand wird von einer Staubschicht blamiert / gehärteter Staub wird gern kultiviert“ Interpretationsfanatiker auf den Plan. Aber auch abseits der Spaßkanone lohnt sich ein zweites Ohr: „Hâlâ“ und „Kabul“, beide von Bassist Attila geschrieben und etwas ruhiger gehalten, scheinen inhaltlich eine Einheit zu bilden. Beide Songs sind mit türkischem Text versehen („hâlâ“ bedeutet „immer noch“, „kabul“ „Einverständnis“), was man im Kontext Rockmusik bei uns schon selten genug hört. Inhaltlich könnte „Hâlâ“ die Vorgeschichte von „Kabul“ darstellen, da in beiden Texten von der Beziehung des Protagonisten zu einer Frau gesprochen wird, die er einerseits nicht verlassen konnte, rückblickend das Beziehungsdilemma aber hätte erahnen müssen.

„Die Neue Farbe“ ist bei genauerem Hinsehen nicht ganz so innovativ, gibt es doch einige schillernde Vorbilder. Dennoch kann man KOB nicht abstreiten, eine eigene Note ins Spiel zu bringen. Wohltuend ist darüber hinaus, dass das Album keine einzige Sause ist, sondern versucht, verschiedene Stile unterzubringen und zum Teil auch die inhaltliche Seite nicht zu vernachlässigen. Aus meiner Sicht ein großartiges Frühsommeralbum mit einer spannenden Mischung aus Discokrachern und Indieperlen, die mit etwas Glück den Sommer überdauern könnten.
Ähnliche Band: Franz Ferdinand
Weitere vergleichbare Bands: Frittenbude, Von Spar, Ash, Deichkind, Interpol, The Robocop Kraus
 
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